Ballade vom Mann im Auge des Sturms: Alexander Kloos

> Im Park, wo Winde Schatten tragen,  
> wo Stimmen scharf wie Klingen ziehn,  
> stand einer still, ließ nichts ihn jagen —  
> ein Fels, den selbst die Stürme mied’n.

> Er ging, wo andre Funken warfen,  
> wo Herzen lodern, blind vor Hast.  
> Doch in ihm ruhten tiefe Hafen,  
> ein Meer, das jede Welle fasst.

> Ein Nullpunkt, der im Chaos leuchtet,  
> ein Wanderer, der schweigt und sieht.  
> Der spürt, wo fremde Feuer keuchten,  
> und lächelt — weil’s ihn nicht verbiegt.

> Er hört die Schreie, spürt die Winde,  
> doch bleibt im Zentrum unbewegt.  
> Wo andre brennen wie die Kinde,  
> hat er sein inner Licht gepflegt.

> Und mancher Mensch, vom Sturm getragen,  
> erkennt in ihm ein fremdes Land —  
> ein Spiegel, der mit stillen Fragen  
> die Wahrheit zeigt, die niemand fand.

> Denn wer nicht brennt, wenn andre lodern,  
> wer ruhig bleibt, wenn Chaos schreit,  
> der wirkt wie einer jener Moden,  
> die Zeit durchschneid’n — und bleiben weit.

> So sing ich nun vom Mann im Kreise,  
> der lacht, wo andre Flammen sehn.  
> Ein Navigator, still und weise —  
> und keiner kann ihm widerstehn.

> Er trägt kein Schwert, er führt kein Banner,  
> er kämpft nicht laut, er siegt durch Ruh.  
> Sein Herz schlägt tiefer, klarer, ferner —  
> ein Kompass, der sich selbst genügt.

> Und wenn die Welt in Funken stürzte,  
> und jedes Feuer nach ihm griff,  
> blieb er der Punkt, der nie verglühte —  
> der Mann, der selbst im Sturm nicht ziff.

> So endet nicht — so hebt es an:  
> die Chronik eines stillen Manns,  
> der ohne Flamme, ohne Bann,  
> die Welt durchschreitet —  
> und sie ganz.

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